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Aktuelles 20.11.2009
-

Auf und Ab: Die Chronologie der Ereignisse bei Karmann seit der Insolvenz

Osnabrück
Die Insolvenz, Massenentlassungen, dann wieder positive Signale aus Politik und Wirtschaft: Für den Autobauer Karmann und seine Mitarbeiter waren die vergangenen Wochen und Monate ein Auf und Ab.

Zwischen hoffen und bangen: Was bei Karmann alles passiert ist.
Zwischen hoffen und bangen: Was bei Karmann alles passiert ist.
16.3.2009: Karmann eröffnet 1340 Mitarbeitern, dass sie auf der Kündigungsliste stehen und das Unternehmen zum 1. April, 1. Juni oder 1. August verlassen müssen.

1.4.2009: Die Transfergesellschaft für knapp 1400 gekündigte Karmänner soll zwei Wochen später an den Start gehen. „Wir wollen den Betroffenen mehr Bedenkzeit geben“, erklärt ein Karmann-Sprecher. Fehlendes Geld soll nicht die Ursache sein...

11.4.2009: Der Daimler-Konzern hat Hilfe für den angeschlagenen Autobauer Karmann signalisiert. MBtech, eine Technologietochter des Stuttgarter Konzerns, wird bei entsprechenden Signalen aus Osnabrück die 60-Prozent-Mehrheit von Karmann am Automobiltestgelände in Papenburg (Kreis Emsland) übernehmen.

17.4.2009: 780 Karmänner reichten bis zum Vortrag beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage gegen ihre Entlassung beim Osnabrücker Autobauer ein.

28.4.2009: Bei Karmann steht die Produktion teilweise still. Der Grund: Wichtige Teile für die Autoproduktion wurden nicht geliefert. Rund 500 Karmänner sind vom Produktionsausfall betroffen und werden nach Hause geschickt.

2.5.2009: Die mehr als 1300 von der jüngsten Kündigungswelle erfassten Karmänner können sich jetzt doch Hoffnung auf eine Transfergesellschaft machen – zumindest auf eine Sparversion. Die könnte möglicherweise am 1. Juli starten. Dafür braucht der Insolvenzverwalter knapp 20 Millionen Euro.

7.5.2009: Die Produktion bei Karmann läuft wieder – vorerst. Mehr als 500 Mitarbeiter werden im Auftrag von Insolvenzverwalter Ottmar Hermann zurück in die Werkshallen geholt.

4.6.2009: Neue Schreckensnachricht von Karmann: Arbeitsdirektor Jochen Voß hat gestern dem Betriebsrat mitgeteilt, dass weitere 513 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Der Werkzeugbau soll demnach komplett geschlossen werden.

5.6.2009: Nach 108 Jahren ist Schluss: Beim insolventen Autobauer Karmann läuft in wenigen Tagen das letzte Auto vom Band. Währenddessen kämpft der Insolvenzverwalter mit enormen Problemen. Er muss voraussichtlich 2000 gekündigte Karmänner vorzeitig zur Agentur für Arbeit schicken.

12.6.2009: Die knapp 1500 nicht gekündigten Beschäftigten von Karmann müssen ab dem 1. Juli mit Kurzarbeit rechnen.

16.6.2009: Der Karmann-Werkzeugbau ist gerettet. In Verhandlungen mit Insolvenzverwalter Ottmar Hermann ist es dem Betriebsrat gelungen, das Aus für den Werkzeugbau zu verhindern und im gesamten Unternehmen das Streichen von über 200 Arbeitsplätzen abzuwenden. Bisher sollten 513 Jobs abgebaut werden, jetzt noch 300.

23.6.2009: Alle schauen auf Daimler: Der Start einer Transfergesellschaft für rund 1500 gekündigte Karmänner hängt jetzt davon ab, ob Daimler diese Woche offene Rechnungen in Höhe von 18 Millionen an Karmann überweist.

30.6.2009: Jetzt ist es offiziell: Das Amtsgericht Osnabrück hat gestern das Insolvenzverfahren über die Wilhelm Karmann GmbH eröffnet. Als Insolvenzverwalter wurde Ottmar Hermann bestellt.

3.7.2009: Ein Millionen-Auftrag von Volkswagen hat dem Osnabrücker Autobauer Karmann die Finanzierung einer Transfergesellschaft für rund 1600 gekündigte Beschäftigte ermöglicht.

8.7.2009: Gute Nachrichten aus Hannover: Das Land Niedersachsen unterstützt die Weiterbildung der von der Karmann-Insolvenz betroffenen Mitarbeiter jetzt auch mit Geld. 850000 Euro würden für die in der vergangenen Woche gegründete Transfergesellschaft bereitgestellt.

24.7.2009: Jetzt droht Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann: 300 gekündigte Karmänner sind immer noch nicht in die eigens eingerichtete Transfergesellschaft gewechselt. Wer nicht spätestens heute seine Unterschrift unter den Wechsel setzt, dem drohe sofortige Arbeitslosigkeit.

5.8.2009: Mit 35 Interessenten hat Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann bereits Gespräche über den Verkauf von Teilbereichen des Unternehmens geführt. Die Arbeit wird ihm jetzt durch eine Rechnung der Gesellschafter erschwert: Sie haben rund 40 Millionen Euro Insolvenz-Forderungen an die Firma.

7.8.2009: Der Karmann-Insolvenzverwalter will den rund 1600 verbliebenen Beschäftigten an den Geldbeutel. Heute Vormittag trägt sein Team eine Forderung nach massiven Lohnkürzungen auf einer IG-Metall-Versammlung vor. Sein Ziel: das Unternehmen wettbewerbsfähiger machen.

8.8.2009: 600 gewerkschaftlich organisierte Karmänner haben der IG Metall ihre Zustimmung gegeben, mit dem Insolvenzverwalter Gespräche über Lohnkürzungen zu führen. Sie erwarten im Gegenzug eine Arbeitsplatz-Garantie des Autobauers.

15.8.2009: Es ist die drohende Insolvenz in der Insolvenz: Wahrscheinlich wird Karmann am Montag dem Amtsgericht drohende Masseunzulänglichkeit anzeigen. Das heißt: Der Firma fehlt das Geld, um 340 Verweigerer der Transfergesellschaft zu bezahlen.

19.8.2009: Der insolvente Autobauer hat beim Osnabrücker Amtsgericht drohende Masseunzulänglichkeit angemeldet: Er trennt sich damit von 340 bereits gekündigten Mitarbeitern vorzeitig.

22.8.2009: Der insolvente Autobauer Karmann schließt zum 31. Dezember sein Werk in Rheine. Betroffen sind 107 Beschäftigte in der Cabrio-Verdeckfertigung. Deren Arbeitsplätze werden zum Stammsitz in Osnabrück oder in das Karmann-Werk nach Polen verlagert werden.

5.9.2009: Zur Rettung des insolventen Automobilzulieferers verzichten die noch verbliebenen 1600 Beschäftigten erneut auf einen Teil ihres Einkommens. Ab Oktober bekommen sie unter dem Strich 15 Prozent weniger Lohn.

9.10.2009: Karmann steht vor einschneidenden Veränderungen. Nach wochenlangen Verhandlungen gibt es nach Informationen unserer Zeitung noch zwei Interessenten für die Dachsystem-Sparte: die deutsche Magna-Tochter CTS und den spanischen Automobilzulieferer CIE Automotive.

15.10.2009: Die Lehrwerkstatt der 137 Karmann-Azubis steht offensichtlich vor dem Aus: Wegen der finanziellen Schwierigkeiten des insolventen Autobauers sei es denkbar, dass die Ausbildung eingestellt werden müsse, heißt es aus dem Betriebsrat.

16.10.2009: Paukenschlag bei Karmann: Insolvenzverwalter Ottmar Hermann will noch in diesem Monat 800 der knapp 1600 Beschäftigten kündigen. Betroffen sind alle drei Teilbereiche des Unternehmens: Dachsysteme, Technische Entwicklung und Metal Unit. Die Schuldenlast scheint Karmann zu erdrücken.

23.10.2009: Karmann droht zum 1. November die komplette Schließung. Der Insolvenzverwalter sieht sich dazu gezwungen, wenn in den nächsten Tagen Zahlungen von Auftraggebern ausbleiben. Allen mehr als 800 verbliebenen Karmännern droht damit die Kündigung.Für die letzten Beschäftigten des insolventen Osnabrücker Autobauers Karmann sind diese letzten Oktobertage eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen.

29.10.2009: Die Lehrwerkstatt schließt – Über hundert junge Leute können Ausbildung nicht beenden. Sie fragen sich: Wie geht es weiter mit Karmann? Übernimmt VW das Unternehmen? Und wenn ja, wird dann die Lehrwerkstatt weitergeführt?

29.10.2009: Doch kein Aus zum November: Der insolvente Osnabrücker Autobauer Karmann muss nicht zum 1. November schließen. Inolvenzverwalter Ottmar Hermann ist es gelungen, ausreichend Geld aufzutreiben, um die Zahlungsfähigkeit des Osnabrücker Traditionsunternehmens zumindest bis zum 11. November sicherzustellen.

30.10.2009: Rund 60 Beschäftigte haben gestern die Arbeit niedergelegt. Betroffen ist die SLK-Fertigung des Unternehmens. Dort werden Bauteile für das Daimler-Werk in Bremen gefertigt. Die Arbeiter begründen ihren Protest damit, dass sie nicht wüssten, „ob sie noch für den vollen Monat November Geld bekommen“.

31.10.2009: Der Volkswagen-Konzern hat in den Verhandlungen mit den Karmann-Gesellschaftern das Angebot erhöht. Das neue Angebot für große Teile des Osnabrücker Werksgeländes liegt jetzt bei 35 Millionen Euro. Die Gesellschafter verlangen aber offensichtlich mindestens 50 Millionen Euro.

2.11.2009: Volkswagen arbeitet weiter mit Hochdruck an Plänen für den Einstieg bei Karmann. Führungskräfte des insolventen Autobauers prüfen den Kauf des Bereichs Technische Entwicklung.

3.11.2009: Kritik am Insolvenzverwalter-Team bei Karmann: Jetzt sind aus Kundenkreisen Vorwürfe gegen die Verhandlungsführung von Teams des Insolvenzverwalters Hermann laut geworden. Insider kritisieren eine mangelnde Transparenz bei den Gesprächen. Der Daimler-Konzern hat dem insolventen Autobauer einen konkreten Auftrag entzogen.

4.11.2009: Jetzt spürt auch Mercedes die Auswirkungen der Karmann-Krise: Nachdem Ende vergangener Woche die Karmänner die Produktion für den SLK niedergelegt haben, stehen auch im Daimler-Werk in Bremen Bänder still. Seit Anfang der Woche ruht dort der Bau des SLK, weil wichtige Bauteile aus Osnabrück fehlen.

7.11.2009: Das Arbeitsgericht ist durch Karmann überlastet: 3,5 der insgesamt 5,5 Kammern des Arbeitsgerichtes Osnabrück werden sich ab kommender Woche mit entlassenen Karmann-Mitarbeitern befassen. An den einzelnen Verhandlungstagen werden bis zu 17 Kläger um ihre Jobs kämpfen.

11.11.2009: Heute kann sich die Zukunft von Karmann entscheiden: Der VW-Aufsichtsrat tritt zu einer Sondersitzung zusammen, in der es auch um eine Übernahme des Osnabrücker Autobauers gehen soll. Volkswagen soll bereit sein, für Teile von Karmann rund 35 Millionen Euro zu zahlen, die Gesellschafter fordern angeblich 60 Millionen. Das Insolvenzverwalterteam verhandelt weiter mit Daimler. Andere Kunden hätten inzwischen offene Rechnungen beglichen, sodass die Liquidität bis Ende November gesichert sei, so ein Sprecher. Derweil erklärte das Arbeitsgericht Osnabrück erste Kündigungen in sieben Fällen für unwirksam.

12.11.2009: Entscheidung vertagt: VW lässt Karmann zittern. Der Aufsichtsrat verschiebt den Beschluss über mögliche Übernahme auf nächste Woche. Weil sich das VW-Verhandlungsteam und die Karmann-Gesellschafter noch immer nicht über den Kaufpreis für große Teile des Osnabrücker Werksgeländes einigen konnten, kam der Punkt zu spät für eine fristgerechte Einladung zur Aufsichtsratssitzung.

19.11.2009: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich hoffnungsvoll über eine mögliche Übernahme des insolventen Autobauers Karmann durch den VW-Konzern geäußert. „Ich habe die große Hoffnung, dass der Knoten am Freitag durchgehauen wird“, sagte Wulff.

20.11.2009: Kurz vor der für heute erwarteten Entscheidung des VW-Aufsichtsrates über eine Übernahme des insolventen Osnabrücker Autobauers Karmann hat sich der Insolvenzverwalter gestern offenbar mit dem Daimler-Konzern über strittige Forderungen teilweise geeinigt. Der Osnabrücker IG-Metall-Chef Hartmut Riemann erklärte, dass Daimler bereits eine erste Überweisung getätigt habe.

20.11.2009: Die Entscheidung ist gefallen: Auf dem Firmengelände von Karmann wird eine Volkswagen-Tochtergesellschaft ab 2011 eine Fahrzeugproduktion aufnehmen. Die IG Metall hat dazu eine Grundlagenvereinbarung mit Volkswagen abgeschlossen, gab Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, bekannt.

27. 11.2009: Die Gründung der neuen Volkswagen Osnabrück GmbH wird voraussichtlich zum 1. Januar 2010 erfolgen. Das teilt der Betriebsrat des insolventen Autobauers Karmann den Beschäftigten mit. Die Fahrzeugproduktion soll demnach auf dem Gelände im März 2011 starten.

12.12.2009: Gute Nachricht aus dem Osnabrücker Karmann-Werk: Weil die Automobilhersteller mehr Aufträge erteilt haben, werden 210 Beschäftigte, die bereits ihre Kündigung zum 31. Januar erhalten hatten, mindestens zwei Monate weiterarbeiten können.

18.12.2009: Das Karmann-Werk in Rheine ist Geschichte.

15.01.2010: Nach Tausenden abgewickelten Kündigungen kämpfen die Mitglieder des Karmann-Betriebsrats jetzt um ihr eigenes berufliches Überleben. Eine Chance zur Weiterbeschäftigung gibt es nur für fünf von ihnen bei VW. Jetzt tobt der Streit um die Namen.

20.01.2010: Das Warten auf einen Auftrag von Volkswagen wird für rund 400 Mitarbeiter des insolventen Osnabrücker Autobauers Karmann zum Nervenkrieg.

23.01.2010: Der Insolvenzverwalter macht Karmann fit für den Neustart und interessant für Investoren. Mit der Rücknahme der 415 Kündigungen in der Metall-Gruppe geht ein Signal an die Branche: Wir stehen weiter für Aufträge bereit.

28.01.2010: VW übernimmt 99 Azubis von Karmann.

06.02.2010: Magna kauft die Dachproduktion des insolventen Osnabrücker Autobauers Karmann.

18.02.2010: Mehr als sechs Wochen nach dem Start des neuen Osnabrücker Volkswagen-Werkes hat der Konzern die neue Geschäftsführung offiziell ernannt.



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