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Vermischtes 08.03.2010
-
Historischer Oscar-Triumph für «The Hurt Locker»
dpa
Hollywood
Kathryn Bigelow schlägt die Männer, Sandra Bullock schlägt sich selbst und Christoph Waltz schlägt sich blendend.

Bei der 82. Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag holte Kathryn Bigelow als erste Frau den Regie-Oscar und triumphierte mit ihrem Low-Budget-Film «Tödliches Kommando - The Hurt Locker» über das 500-Millionen-Dollar-Spektakel «Avatar» ihres Ex-Mannes James Cameron. Endstand 6:3 - bei jeweils neun Nominierungen. Sandra Bullock hatte am Vorabend tapfer den Schmähpreis «Goldene Himbeere» als schlechteste Schauspielerin entgegengenommen - nun wurde sie zur besten Hauptdarstellerin gekürt. Und ausgerechnet der Österreicher Christoph Waltz ließ die Deutschen jubeln. Er bekam den Oscar für seine vielfach preisgekrönte Nebenrolle in der Studio-Babelsberg-Produktion «Inglourious Basterds».

Die 58-jährige Bigelow siegte mit ihrem Irak-Kriegsdrama in den beiden Königskategorien - bester Film und beste Regie - sowie in den Sparten Ton, Tonschnitt, Original-Drehbuch und Schnitt. Damit entschied sie das Rennen David gegen Goliath klar für sich. «Dies ist der größte Moment meines Lebens», sagte Bigelow fassungslos. «Avatar» kostete 500 Millionen Dollar und spielte 2,5 Milliarden Dollar ein - er ist der erfolgreichste Film der Geschichte. «The Hurt Locker» kostete hingegen gerade einmal 15 Millionen Dollar und war an den Kinokassen kein großer Erfolg, doch landete er bei den Kritikern einen Volltreffer - und schrieb nun Geschichte. Nüchtern, fast dokumentarisch erzählt Bigelow von drei amerikanischen Bombenentschärfern im Irak - ohne sie dabei zu Helden zu machen. Eher stumpfen sie ab, finden ihren Lebenssinn in jedem Adrenalin-Kick.

Erst dreimal zuvor war eine Frau für die beste Regie nominiert: Sofia Coppola mit «Lost in Translation» (2003), Jane Campion mit «Das Piano» (1993) und Lina Wertmüller mit «Sieben Schönheiten» (1975). Bigelow gewann als erste Frau und stach damit ihren Ex-Mann Cameron aus. Der hatte 1998 mit «Titanic» elf Oscars gewonnen, diesmal blieb es bei drei Statuen für Kameraführung, Ausstattung und Spezialeffekte.

In die Oscar-Liste der besten Hauptdarsteller schrieben sich erstmals Jeff Bridges und Sandra Bullock ein. Der 60-jährige Bridges erhielt die goldene Statue für seine Rolle als abgehalfterter Country-Sänger in dem Film «Crazy Heart». Bridges, der bereits zum fünften Mal nominiert war, jubelte und bedankte sich überschwänglich.

Bullock würdigte einzeln ihre Konkurrentinnen - darunter die Newcomerin Gabourey Sidibe, die schon für ihre erste Rolle eine Oscar-Nominierung ergattert hatte, sowie Helen Mirren und Meryl Streep - und vergoss viele Tränen der Rührung. Am Abend zuvor hatte sie den Schmähpreis «Goldene Himbeere» als schlechteste Schauspielerin für ihre Darstellung einer aufdringlichen Verliebten in der Komödie «Verrückt nach Steve» persönlich entgegengenommen - und dabei viel Humor bewiesen. «Dies ist eine ganz besondere Auszeichnung», hatte sie unter dem Jubel der 700 Filmfans gescherzt. Ihren Oscar bekam die 45-Jährige für den Film «Blind Side - Die große Chance». Darin spielt sie eine Mutter aus der Oberschicht, die einen obdachlosen, schwarzen Jungen in ihrer Familie aufnimmt und ihn zum Football-Profi macht.

Etwas großspurig hatten die Deutschen zwei Tage vor der Verleihung noch 13 Nominierungen «Made in Germany» gefeiert - deutsche Produktionen eingerechnet. Doch dann ging der als Favorit gehandelte deutsche Beitrag «Das weiße Band» von Michael Haneke leer aus. Burghart Klaußner, der sittenstrenge Pfarrer in Hannekes Film, gab im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa zu: «Die Enttäuschung war natürlich zehn Minuten lang schon da, aber länger auch nicht». Geholfen hätten die Komplimente einer US-Kollegin: «Meryl Streep war vollkommen besoffen von dem Film, hat sich gar nicht mehr eingekriegt und hat jedes Detail gewusst und war sehr bereit, auch darüber zu reden», sagte Klaußner.

Zum «besten nicht-englischsprachigen Film» kürten die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences den argentinischen Thriller «El Secreto de Sus Ojos» (Das Geheimnis deiner Augen). Auch Kameramann Christian Berger unterlag mit seinen eindrucksvoll-hypnotischen Schwarz-Weiß-Bildern der schwelgerischen Bilderwelt von «Avatar», die sein Kollege Mauro Fiore einfing.

Der Österreicher Christoph Waltz setzte hingegen seinen Siegeszug der vergangenen Monate fort und erklomm den Film-Olymp. Für seine Rolle in der Studio-Babelsberg-Produktion «Inglourious Basterds» von Quentin Tarantino holte er den Oscar als bester Nebendarsteller und damit den einzigen für den hoch gehandelten Favoriten. «Dies ist ein Über-Bingo», sagte der sichtlich gerührte Waltz mit tränenerstickter Stimme. «Ich werde mich niemals genug bedanken können. Aber ich kann damit jetzt beginnen.» Der 53-Jährige galt als Favorit: Für seine Darstellung des charmant-zynischen SS-Offiziers hatte er zuvor bereits in Cannes und bei der Golden-Globe-Verleihung triumphiert und insgesamt mehr als zwei Dutzend Preise eingeheimst.

Beste Nebendarstellerin wurde die schwergewichtige, schwarze US-Schauspielerin Mo'Nique für ihre Rolle als gewalttätige Mutter in dem Sozialdrama «Precious - Das Leben ist kostbar». Zuvor war «Precious»-Autor Geoffrey Fletcher bereits für das beste adaptierte Drehbuch geehrt worden; der Film basiert auf dem Roman «Push» von Sapphire.

Mit großen Hoffnungen verbinden die Gewinner in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» ihre Auszeichnung. In «Die Bucht» prangert der ehemalige Flipper-Trainer Ric O'Barry die grausamen Delfin-Fangmethoden in Japan, die Verschmutzung der Ozeane und die Korruption an. Viele Zuschauer hatte der im Oktober in Deutschland angelaufene Film bislang nicht. Das könnte sich nun ändern. Vor allem hofft O'Barry, dass sich die Japaner nun nicht mehr ihrer Verantwortung entziehen können - denn die Oscar-Gala zählt zu den populärsten Fernsehshows in Japan.

Bei der 82. Oscar-Verleihung gab es außerdem zwei Trophäen für den Zeichentrickstreifen «Oben»: Er wurde zum besten Animationsfilm gewählt und für die beste Originalmusik ausgezeichnet.



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